Bielefeld war stets eine wasserarme Stadt, ohne Fluss, ohne ergiebigen Bachlauf. Dieser Umstand hat die Stadt aber keineswegs davon abgehalten, Heimat einiger durch Wasser angetriebener Mühlen zu werden. Warum hat eine wasserarme Stadt Wassermühlen? Und woher bekommen diese ihr Wasser?
Antworten auf diese Fragen gibt der Verlauf des Lutterbaches. Dieser Bach, dessen ursprüngliche Fließrichtung nach Südwesten führte, wurde ab dem Jahr 1452 teilweise Richtung Norden abgeleitet und gab damit der Stadt Bielefeld eine neue Wasserquelle. Viele Gewerbetreibende, darunter auch Müller, hatten sich zuvor über den Mangel an Wasser beschwert. Bielefeld lag auch vorher nicht gänzlich auf dem Trockenen, sondern besaß mit dem Bohnenbach ein kleines Fließgewässer. Dieser reichte allerdings für den Betrieb von Mühlen kaum aus. Der Mühlenzwang, das Gebot für jeden Bürger sein Korn vor Ort mahlen zu lassen, gewährleistete den Eigentümern der Dammmühle am Waldhof und einer weiteren Mühle am Bohnenbach jedoch ein kontinuierliches Einkommen.
Doch auch durch die Umleitung der Lutter waren die Müller nicht gänzlich vor Wassermangel geschützt. Die Lutter ist ein künstlich umgeleiteter und kein natürlich verlaufender Bach. Der Oberlauf unterhalb des sogenannten Lutterkolks verdreckte aufgrund mangelnder Instandhaltung immer wieder. Deshalb floss der Bach zum Teil wieder nach Südwesten ab, wodurch weniger Wasser nach Bielefeld gelangte. Von der Lutter hingen nicht nur Müller, sondern im Zuge der Industrialisierung, immer mehr Wirtschaftsbetriebe, unter anderem die Bleichen, ab. Diese nutzen das Wasser der Lutter ebenso, allerdings ungleich exzessiver als die Mühlen. Solcherlei Wasserkonflikte brachten Mühlen beizeiten zum Stillstand. Offizielle Beschwerden durch Bielefelder Müller folgten. Trotz dieser Schwierigkeiten, liefen zeitweise bis zu zwölf Luttermühlen gleichzeitig. Diese wurden neben dem Mahlen von Korn, auch zur Gewinnung und Verarbeitung verschiedener Rohstoffe genutzt, übernahmen jedoch auch andere Funktionen. So versorgte die damals am heutigen Adenauerplatz gelegene Büschers Mühle, seit ungefähr 1855 ein gleichnamiges Freibad, welches bis in die 1930er Jahre bestand und als eines der ersten beaufsichtigten Freibäder Bielefelds gilt. Das Mühlrad bewegte ein Pumpwerk, das das Wasser in das ca. 500 Meter entfernte Bassin leitete. Man badete allerdings nicht in dem bereits zu sehr verschmutzten Lutterwasser, sondern nutzte andere Quellen, die unweit des Mühlendamms entsprangen.
Aus dem heutigen Stadtbild sind die Mühlen fast gänzlich verschwunden. Nur vereinzelt lässt sich beispielsweise durch Straßennamen erahnen, dass an manchen Orten einmal eine Mühle betrieben wurde. So gab die außerhalb der Stadtmauern befindliche Oelmühle, die Raps und Leinsamen verarbeitete, der Oelmühlenstraße ihren Namen. 1824 brannte die Mühle ab, wurde jedoch von ihrem damaligen Besitzer Crüwell wieder aufgebaut. Nachdem die Mühle ab 1890 von Müller Kisker übernommen wurde, stellte dieser die Produktion auf Mehl um, bevor das alte Mühlengebäude nach der Verrohrung der Lutter 1910 weichen musste. Die neue Ravensberger Mühle, deren Grundstück heute in der Ravensberger Straße liegt, wurde nun auch nicht mehr von der Lutter, sondern elektrisch angetrieben. Dem Lutterlauf folgend, befanden sich das Gut Niedermühle, und weiter abwärts, an der Mühlenstraße gelegen, die heutige Hammer Mühle. Ihr im 18. Jahrhundert erbautes Gebäude, ist als einziges noch heute erhalten und beherbergte in früheren Tagen eine Lohmühle. Dort wurden Baumrinden zu Lohe gemahlen, welche zum Gerben von Stoffen und Leder genutzt wurde. Ihr Namensgeber, Müller Hammer, kaufte die Mühle, welche inzwischen Korn mahlte, im Jahr 1889, verpachtete sie jedoch ab dem Jahr 1901. Hammer eröffnete die noch heute nach ihm benannte Gaststätte, welche er bis 1904 selbst bewirtschaftete. Der Mühlenbetrieb, der inzwischen wie bei vielen anderen Mühlen ebenfalls motorisiert ablief, wurde zwischen 1915 und 1918 eingestellt. Die zwei bis 1930 verbliebenen und von der Lutter angetriebenen Wassermühlen lagen vor den Toren der Stadt in Gadderbaum.