Die ersten Überlegungen zur Kanalisierung der Lutter gingen bis in die 1870er Jahre zurück. Das Ziel war, die Entwässerung nach starken Regenfällen zu verbessern. Die immer wieder überschwemmten Straßen waren oft unpassierbar. Jedoch ging diesen ersten Kanälen kein einheitlicher Bebauungsplan voraus.
Die Stadt hatte Grund- und Brunnenwasseranalysen durchführen lassen, und die Untersuchungen konnten belegen, dass die Wasserqualität zusehends schlechter geworden war, nicht zuletzt wegen der industriellen Nutzung des Lutterbaches. Die Einleitung von Schmutzwasser durch die vor der Stadt ansässigen leinenverarbeitenden Betriebe, Färbereien und viele andere Unternehmen hatte für eine Ansammlung unhygienischer Stoffe in der Lutter und über den Boden auch im Trinkwasser der Stadt gesorgt. Die aus gesundheitlichen Gründen alarmierenden Ergebnisse der Untersuchung zwangen zu Überlegungen für eine bessere Wasserversorgung, die mit einer Kanalisation für die Stadt gekoppelt werden sollte. Unabhängige Gutachter prüften die Rentabilität von Wasserversorgung und Kanalisierung, doch beide Projekte scheiterten aber zunächst an den hohen Kosten. Inzwischen wurde auch über ein Trennsystem nachgedacht. Regenwasser sollte direkt in die Lutter, die Abwässer durch ein separates System auf eine Kläranlage geleitet werden. Dennoch wurde auch diese Lösung zunächst nicht entschieden vorangetrieben. Erst Anfang der 1890er Jahre keimte die Hoffnung wieder auf, die Problemfelder Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung als „Gesamtaufgabe“ anzugehen. Die noch aufgelockerte Bauweise der Stadt erschwerte die Kanalisierungsmaßnahmen, so dass vorläufig nur an bestehenden Kanälen teilweise Ausbesserungen vorgenommen wurden. Bielefelds Bevölkerung war inzwischen stark angewachsen und die Abwasserfrage entwickelte sich zu einem immer dringender werdenden Problem. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen viele größere deutsche Städte mit der Planung und dem Bau von Kanalisationen und Kläranlagen. In Bielefeld sollten die Abwässer auf Rieselfeldern geklärt werden. Doch es gab auch baupolizeiliche Bedenken, die zu Verzögerungen führten. Nach langer Planungsphase und Diskussionen über ein geeignetes System favorisierte die Stadt schließlich den Bau von Rieselfeldern in Heepen. Man einigte sich 1896/97 auf eine mechanische Klärung mit beschränkter Bodenberieselung. Dessen ungeachtet traten im Bereich der anzulegenden Rieselfelder Bedenken der ansässigen Bevölkerung auf. Sowohl die Bürger Heepens als auch die der Stadt Herford beschwerten sich über den geplanten Bau der Rieselfelder und der zu erwartenden Geruchsbelästigung. Im Rahmen von Ortsbegehungen kamen jedoch mehrere Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Felder wie geplant angelegt werden dürften.
Im Zuge der Kanalisierung der Stadt sollte auch der durch Bielefeld fließende Lutterbach überwölbt werden. Trotz verschiedener Schwierigkeiten beim Bau der Teilstücke, konnte der Bach noch vor dem Ersten Weltkrieg nahezu komplett überwölbt werden. Gleichzeitig wurden immer mehr Stadtbezirke kanalisiert und das Netz der Bielefelder Abwasserkanäle wuchs beständig.