Die Notlage der Stadt, mit wenig Wasser wirtschaften zu müssen, beschäftigte die Bielefelder vor 1452 stark. Der Bohnenbach, der den Stadtkern mit Wasser versorgte, reichte bei weitem nicht aus, um den Bedarf der Menschen zu decken.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Industrialisierung, vergrößerten und modernisierten sich die Betriebe. Auf den Bleichen wurde seit 1842 Chlor verwendet. Gute Standortbedingungen sorgten für Unternehmensgründungen und es entstand eine florierende Leinen- und später Maschinenindustrie. So war die 1850 von den Brüdern Bozi gegründete Spinnerei Vorwärts der Vorreiter der Leinenindustrie, dem 1854 die Ravensberger Spinnerei als Aktiengesellschaft folgte. Beide Gebäude sind bis heute erhalten und erinnern mit ihrer typischen Architektur an die Anfänge der Bielefelder Industrialisierung.
Die ersten vorindustriellen Betriebe, die große Mengen Wasser verbrauchten, waren die Bleichen, die sich ab dem 18. Jahrhundert vor allem im Gadderbaumer Tal angesiedelt hatten. Meist kleine Familienbetriebe, veredelten sie das im Bielefelder Umland produzierte Leinen. Die Rasenbleichmethode sah die Behandlung des Leinens mit Bleichlauge vor, bevor es einige Wochen in der Sonne ausgelegt und ständig mit Wasser befeuchtet wurde. Erst der Druck der Preußischen Regierung sorgte 1767 für die Einführung der wesentlich schnelleren Holländische Bleichmethode, bei der die Stoffe zusätzlich mit Milch oder Molke behandelt wurden.
Daher erbat die Bielefelder Bevölkerung von Herzog Gerhard von Jülich-Berg 1452 die Erlaubnis, eine der Lutterquellen nach Bielefeld umzuleiten. Die beiden Quellen der Lutter flossen bis dahin in Richtung des heutigen Gütersloh und versorgten unter anderem das Kloster Marienfeld. Nachdem der Herzog seine Zustimmung erteilt hatte, genossen zwar die Bielefelder ihren ungewohnten Wasserreichtum. Vor allem aber das Kloster Marienfeld beschwerte sich wiederholt wegen des angeblichen Wasserdiebstahls. Über den Stau des Lutterkolks floss das Wasser in Richtung Bielefeld und erreichte die Stadt am Nebelstor, am heutigen Adenauerplatz. Auch in der Stadt wurde es vor allem von Mühlen, Brauereien, Schlachter- und Gerbereien, aber auch von Privathaushalten genutzt.
Im Jahr 1845 begann die Köln - Mindener Eisenbahn mit der Verlegung von Gleisen durch das Gadderbaumer Tal. Die 1847 eröffnete Verbindung beflügelte die Bielefelder Wirtschaft. Und auch die Bahn expandierte schnell. Ab 1862 verlegte die Eisenbahngesellschaft Rohrleitungen vom Lutterquellgebiet zum Bielefelder Bahnhof und speiste mit dem gewonnen Wasser die Kessel der Lokomotiven. Um das Jahr 1905 verlegte die Bahn weitere Wasserleitungen. Beschwerden seitens der Industriebetriebe waren die Folge. Noch in den 1950/60er Jahren machten im Gadderbaumer Tal gelegene Betriebe ihre Wasserrechte gegenüber der Bahn geltend.
Der wirtschaftliche Erfolg unterschiedlicher Unternehmen führte zu einem hohen Wasserverbrauch und somit auch zu einer großen Wasserkonkurrenz, die nicht nur die Unternehmen, sondern auch die privaten Haushalte betraf. Da unter anderem die Bleichen und Färbereien im Gadderbaumer Tal das Wasser der Lutter nutzten und auch ihre Abwässer wieder der Lutter zuführten, wurde das Wasser, das auch Mühlen und in Bielefeld die Bevölkerung nutzten, stark verunreinigt. Belastet durch allerlei Chemikalien und Farbstoffe , war die Lutter aus hygienischen Gründen kaum mehr zu verwenden.